summ_029
KardiologiemittelKlinischer Text
Klinik für Kardiologie und Angiologie St. Elisabeth Hospital Chefarzt: Prof. Dr. med. T. Schneider Entlassungsbericht Patient: Hans-Joachim Müller Geburtsdatum: 12.05.1951 Anschrift: Birkenweg 14, 45133 Essen Station: C2 Aufnahmedatum: 14.08.2023 Entlassungsdatum: 22.08.2023 Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, wir berichten über den o.g. Patienten, der sich vom 14.08.2023 bis zum 22.08.2023 in unserer stationären Behandlung befand. Diagnosen: 1. Akut dekompensierte chronische Herzinsuffizienz bei HFrEF (LVEF 32%) - Ätiologie: Ischämische Kardiopathie (ICM) - Stadium: NYHA IV bei Aufnahme, NYHA II bei Entlassung 2. Koronare 1-Gefäßerkrankung - Z.n. PTCA und DES-Implantation der RCA (20.08.2023) 3. Permanentes Vorhofflimmern (CHA2DS2-VASc-Score: 5) 4. Chronische Niereninsuffizienz Stadium G3a (KDIGO), GFR 48 ml/min/1,73m² 5. Diabetes mellitus Typ 2, Erstdiagnose während des Aufenthalts (HbA1c 7,4%) 6. V.a. Basaliom (Hautstanze rechter Oberarm am 19.08.2023, Befund ausstehend) 7. Postinterventionelles Hämatom der rechten Leiste (komplikationslos) Anamnese: Der 72-jährige Patient stellte sich mit einer seit ca. zwei Wochen progredienten Belastungsdyspnoe vor, die zuletzt in eine Ruhedyspnoe (Orthopnoe) übergegangen war. Zudem berichtete Herr Müller über ausgeprägte bilaterale Beinödeme sowie eine Gewichtszunahme von etwa 6 kg innerhalb der letzten 10 Tage. Eine kardiologische Vorerkrankung war dem Patienten bisher nicht bekannt, er beklagte jedoch gelegentliches Herzstolpern. Die weitere Anamnese ergab eine arterielle Hypertonie und eine bisher diätetisch geführte Glukosestoffwechselstörung. Aufnahmebefund: Patient in reduziertem Allgemeinzustand, adipöser Ernährungszustand (BMI 31 kg/m²). Tachypnoe (AF 22/min), SpO2 88% unter Raumluft. Blutdruck 145/90 mmHg, Puls 112/min, arrhythmisch. Auskultatorisch feinblasige Rasselgeräusche beidseits basal bis mittelgeschossig. Herzgeräusche rein, arrhythmisch, keine Vitien. Massive, eindrückbare Ödeme der Unterschenkel beidseits bis zum Knie reichend. Haut warm, trocken, jedoch im Bereich des rechten Oberarms eine ca. 8 mm große, perlmuttfarben glänzende Läsion mit Teleangiektasien (V.a. Basaliom). Diagnostik: - Labor: NT-proBNP 4.560 pg/ml (initial), Kreatinin 1,42 mg/dl, GFR 48 ml/min, HbA1c 7,4%, Troponin T initial 42 ng/l (leicht erhöht, im Verlauf stabil), Kalium 4,2 mmol/l. - EKG: Vorhofflimmern, Frequenz 108/min, Linkstyp, keine akuten ST-Strecken-Veränderungen, bekannte Linksschenkelblock-Morphologie. - Echokardiographie: LV stark dilatiert (LVEDD 64 mm), hochgradig reduzierte linksventrikuläre Pumpfunktion (LVEF 32% nach Simpson), globale Hypokinesie, Mitralinsuffizienz Grad I-II, Trikuspidalinsuffizienz Grad I, kein Perikarderguss. - Thorax-Röntgen: Zeichen der pulmonalen Stauung, interstitielles Ödem, diskreter bilateraler Pleuraerguss, vergrößerte Herzsilhouette. - Koronarangiographie (20.08.): 1-Gefäßerkrankung mit einer 90%igen Stenose der proximalen RCA. Erfolgreiche PTCA und Implantation eines Drug-Eluting-Stents (DES 3,5 x 18 mm). Linke Koronararterie mit diskreten Wandunregelmäßigkeiten ohne hämodynamisch relevante Stenosen. Klinischer Verlauf und Therapie: Initial erfolgte die konsequente intravenöse Diurese mit Furosemid (initial 40 mg 1-1-0 i.v.), worunter eine rasche Rekompensation mit einer Gewichtsreduktion von insgesamt 5,5 kg erreicht werden konnte. Die respiratorische Situation besserte sich zügig, sodass die Sauerstoffvorlage beendet werden konnte. Aufgrund des permanenten Vorhofflimmerns und eines CHA2DS2-VASc-Scores von 5 leiteten wir eine orale Antikoagulation mit Edoxaban ein. Nach Stabilisierung der Nierenfunktion erfolgte am 20.08. die Koronarangiographie mit o.g. Intervention der RCA. Postinterventionell zeigte sich ein lokales Hämatom an der Punktionsstelle der rechten Leiste (Größe ca. 4x3 cm), welches sonographisch kontrolliert wurde; ein Aneurysma spurium konnte sicher ausgeschlossen werden. Das Hämatom war bei Entlassung stabil und schmerzfrei. Therapeutisch wurde die leitliniengerechte Herzinsuffizienzmedikation („Four Pillars“) etabliert. Wir begannen mit Sacubitril/Valsartan in der kleinsten Dosierung, Bisoprolol sowie Spironolacton. Aufgrund des neu diagnostizierten Diabetes mellitus und der HFrEF wurde zudem Empagliflozin 10 mg ergänzt. Während des Aufenthalts musste die Furosemid-Dosis bei Besserung der klinischen Zeichen auf eine orale Gabe von 40 mg 1-0-0 umgestellt werden. Bezüglich der auffälligen Hautveränderung am rechten Oberarm führten wir in Rücksprache mit den Dermatologen am 19.08. eine diagnostische Stanze durch. Das histologische Ergebnis stand bei Entlassung noch aus. Empfehlungen und Procedere: Wir entlassen Herrn Müller in gebessertem Allgemeinzustand in Ihre hausärztliche Betreuung. Folgendes Procedere wird empfohlen: 1. Kardiologische Kontrolle: In ca. 4 Wochen zur Kontrolle der LVEF und ggf. Aufdosierung der Herzinsuffizienz-Medikation (insb. Sacubitril/Valsartan und Bisoprolol). 2. Wundkontrolle: Kontrolle der Punktionsstelle (Leiste rechts) in 3 Tagen durch den Hausarzt. Bei Zunahme der Schwellung oder Schmerzen erneute Vorstellung. 3. Befundabfrage: Bitte fragen Sie das Ergebnis der Hautstanze (rechter Oberarm) in ca. 5-7 Tagen bei uns ab. Bei Bestätigung eines Basalioms ist eine vollständige Exzision indiziert. 4. Labor: Engmaschige Kontrolle von Kreatinin, Kalium und Glukoseprofil (initial wöchentlich). Medikation bei Entlassung: - Sacubitril/Valsartan 24/26 mg: 1 - 0 - 1 - Bisoprolol 2,5 mg: 1 - 0 - 0 - Spironolacton 25 mg: 1 - 0 - 0 - Empagliflozin 10 mg: 1 - 0 - 0 - Edoxaban 60 mg: 0 - 0 - 1 (wegen Vorhofflimmern) - Furosemid 40 mg: 1 - 0 - 0 (bei Bedarf/Gewichtszunahme) - Pantoprazol 40 mg: 1 - 0 - 0 - ASS 100 mg: 1 - 0 - 0 (für 4 Wochen post-PCI, danach Monotherapie mit Edoxaban) Mit freundlichen kollegialen Grüßen Dr. med. A. Meyer Oberarzt Kardiologie
Ground Truth
Hauptdiagnose
Akut dekompensierte chronische Herzinsuffizienz mit hochgradig reduzierter Pumpfunktion (LVEF 32%) bei ischämischer Kardiopathie und koronarer 1-Gefäßerkrankung.
Therapie
Durchführung einer PTCA mit DES-Implantation in die RCA sowie medikamentöse Rekompensation und Etablierung einer Herzinsuffizienz-Therapie bestehend aus Sacubitril/Valsartan (24/26mg 1-0-1), Bisoprolol (2,5mg 1-0-0), Spironolacton (25mg 1-0-0), Empagliflozin (10mg 1-0-0) sowie Antikoagulation mit Edoxaban (60mg 0-0-1).
Procedere
Kardiologische Verlaufskontrolle zur LVEF-Beurteilung und Medikationsoptimierung in 4 Wochen, kurzfristige hausärztliche Kontrolle des Leistenhämatoms in 3 Tagen sowie histologische Befundabfrage der Hautstanze (V.a. Basaliom) in ca. einer Woche.
Offene Fragen
Das histologische Ergebnis der Hautstanze am rechten Oberarm (V.a. Basaliom) ist noch ausstehend und muss aktiv abgefragt werden; zudem ist der Verlauf des postinterventionellen Leistenhämatoms unter der neu angesetzten Kombination aus Edoxaban und ASS zu überwachen.