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NeurologieeinfachKlinischer Text
Klinik für Neurologie - Akademisches Lehrkrankenhaus Abteilung für Vaskuläre Neurologie und Stroke Unit Chefarzt: Prof. Dr. med. A. Vaskulari Entlassungsbericht Patient: Müller, Hans-Joachim Geburtsdatum: 12.05.1952 Anschrift: Birkenweg 14, 80331 München Station: Stroke Unit / Station 4B Aufnahmedatum: 14.10.2023 Entlassungsdatum: 21.10.2023 Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, wir berichten über den oben genannten Patienten, der sich vom 14.10.2023 bis zum 21.10.2023 in unserer stationären Behandlung befand. Diagnosen: 1. Akuter ischämischer Hirninfarkt im Mediastromgebiet rechts (territorial, M2-Segment) bei wahrscheinlich makroangiopathischer Ätiologie (ICD-10: I63.3). - Symptomatik: Akute Brachiofacial betonte Hemiparese links, Dysarthrie. - NIHSS bei Aufnahme: 6 Punkte. - NIHSS bei Entlassung: 1 Punkt (diskrete Fazialisparese). - Durchgeführte systemische Thrombolyse mit Alteplase (Actilyse) am 14.10.2023. 2. Arterielle Hypertonie (ICD-10: I10.90). 3. Hyperlipoproteinämie (ICD-10: E78.5). 4. Bekannte gutartige Prostatahyperplasie (ICD-10: N40.1). Anamnese: Die stationäre Aufnahme erfolgte als Notfall über den Rettungsdienst (Notarztbegleitung). Herr Müller berichtete, dass er am Aufnahmetag gegen 08:15 Uhr während des Frühstücks plötzlich eine Schwäche des linken Arms sowie ein hängendes linkes Gesicht bemerkt habe. Zudem sei die Sprache verwaschen gewesen. Die Ehefrau alarmierte umgehend den Notruf. Das „Last-seen-normal“ entsprach dem Zeitpunkt des Erwachens um 07:30 Uhr. Vorbekannt sind ein langjähriger arterieller Hypertonus sowie eine Prostatavergrößerung. Ein Nikotinabusus besteht nicht (Nichtraucher seit 20 Jahren). Keine bekannte koronare Herzkrankheit, kein Vorhofflimmern in der Eigenanamnese. Aufnahmebefund (14.10.2023, 09:10 Uhr): Patient wach, voll orientiert zu Person, Ort, Zeit und Situation. GCS 15. Sprache: Deutliche Dysarthrie, kein Anhalt für Aphasie. Hirnnerven: Zentrale Fazialisparese links, ansonsten unauffällig. Motorik: Gradkraftminderung für den linken Arm (3/5 nach Janda) und das linke Bein (4/5 nach Janda). Babinski-Zeichen links positiv. Sensibilität: Subjektive Hypästhesie der linken Körperhälfte. Koordination: In der Mitbewegung links eingeschränkt, rechts unauffällig. Internistischer Status: RR 175/95 mmHg, Puls 82/min (rhythmisch), Cor/Pulmo auskultatorisch o.B., Abdomen weich, keine Ödeme. Diagnostik: CCT (nativ) vom 14.10.2023: Kein Anhalt für eine intrakranielle Blutung. Frühzeichen einer Ischämie im rechtsseitigen Mediastromgebiet (Insular Ribbon Sign angedeutet). ASPECTS 9. CT-Angiographie: Nachweis eines Verschlusses eines M2-Astes der A. cerebri media rechts. Keine hämodynamisch relevante Stenose der extrakraniellen hirnversorgenden Gefäße. cMRT (16.10.2023): Bestätigung eines frischen territorialen Infarktareals rechts temporal/parietal. Keine hämorrhagische Transformation. Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße: Plaques an beiden Karotisgabeln ohne Stenosewirkung (< 50% nach NASCET). Intrakraniell regelrechter Fluss in den zugänglichen Gefäßen, Rekanalisation des M2-Segmentes rechts. Echokardiographie (transthorakal): Normalgroßer linker Ventrikel, LVEF ca. 55-60%, keine höhergradigen Vitien, kein Thrombusnachweis. Vorhöfe nicht dilatiert. Langzeit-EKG (24h): Durchgehend Sinusrhythmus, keine supraventrikulären Tachykardien, kein Vorhofflimmern dokumentiert. Labor: LDL-Cholesterin 162 mg/dl (erhöht), HbA1c 5,7%, TSH 1,2 mU/l, Kreatinin 0,9 mg/dl, Elektrolyte im Normbereich. Gerinnung vor Thrombolyse unauffällig. Therapie und Verlauf: Aufgrund des klinischen Befundes und des Zeitfensters erfolgte nach Ausschluss von Kontraindikationen um 09:35 Uhr die Einleitung einer systemischen Thrombolysetherapie mit Alteplase (0,9 mg/kg KG). Hierunter zeigte sich bereits innerhalb der ersten zwei Stunden eine deutliche Regredienz der motorischen Defizite (NIHSS nach 2h: 3 Punkte). Der Patient wurde für 24 Stunden auf unserer Stroke Unit monitorisiert. Es traten keine Komplikationen, insbesondere keine Nachblutungen, auf. Die Sekundärprophylaxe wurde am Folgetag nach Kontroll-CT (Ausschluss Blutung) mit ASS 100 mg/d sowie Atorvastatin 80 mg/d begonnen. Die Blutdruckeinstellung erfolgte unter Fortführung der vorbestehenden Medikation (Ramipril) und Ergänzung von Amlodipin bei initial noch erhöhten Werten. Im Verlauf stabilisierte sich der Blutdruck im Zielbereich um 130/80 mmHg. Unter physiotherapeutischer und ergotherapeutischer Mitbehandlung besserte sich die linksseitige Hemisymptomatik nahezu vollständig. Bei Entlassung besteht lediglich eine diskrete residuelle Fazialisparese links, der Patient ist sicher mobilisiert. Epikrise: Zusammenfassend handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfall im M2-Segment der A. cerebri media rechts bei Makroangiopathie und vorbestehenden vaskulären Risikofaktoren (Hypertonie, Hyperlipidämie). Dank frühzeitiger Lysebehandlung konnte ein sehr gutes funktionelles Outcome erreicht werden. Eine kardiogene Emboliequelle ergab sich in der bisherigen Diagnostik nicht, jedoch sollte eine weitere rhythmologische Abklärung (Langzeit-EKG über 72h) im ambulanten Bereich oder in der Reha erfolgen. Empfehlungen / Procedere: - Konsequente Sekundärprophylaxe mit ASS 100 mg 1x tgl. dauerhaft. - Lipidsenkung mit Atorvastatin 80 mg 1x tgl. (Ziel-LDL < 55 mg/dl). - Blutdruckeinstellung auf Zielwerte < 130/80 mmHg. - Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) wurde eingeleitet, der Patient wird zunächst nach Hause entlassen und wartet auf den Bescheid des Kostenträgers. - Kontrolle der Halsschlagadern (Duplex) in 6 Monaten. - Bei Auftreten neuer neurologischer Defizite umgehende Vorstellung in einer Notaufnahme. Medikation bei Entlassung: 1. ASS 100 mg: 0-1-0-0 2. Atorvastatin 80 mg: 0-0-0-1 3. Ramipril 5 mg: 1-0-1-0 4. Amlodipin 5 mg: 1-0-0-0 5. Tamsulosin 0,4 mg: 0-0-0-1 (vorbestehend) Wir danken für die freundliche Zusammenarbeit. Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. M. Muster Assistenzarzt Prof. Dr. med. A. Vaskulari Chefarzt
Ground Truth
Hauptdiagnose
Akuter ischämischer Hirninfarkt im rechtsseitigen Mediastromgebiet (M2-Verschluss) bei Makroangiopathie, erfolgreich mit systemischer Thrombolyse behandelt.
Therapie
Durchführung einer systemischen Thrombolyse mit Alteplase innerhalb des Zeitfensters, gefolgt von der Etablierung einer Sekundärprophylaxe mit ASS 100 mg und Atorvastatin 80 mg sowie einer intensivierten antihypertensiven Therapie. Ergänzend erfolgte eine frühzeitige Mobilisation durch Physiotherapie und Ergotherapie auf der Stroke Unit.
Procedere
Fortführung der thrombozytenaggregationshemmenden und lipidsenkenden Medikation sowie regelmäßige Blutdruckkontrollen zur Erreichung der Zielwerte. Eine ambulante oder rehabilitative Langzeit-EKG-Untersuchung (72h) zum Ausschluss paroxysmalen Vorhofflimmerns wird empfohlen.
Offene Fragen
Ein längerfristiges Rhythmusmonitoring zum definitiven Ausschluss von Vorhofflimmern steht noch aus.