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Psychiatrie/PsychosomatikmittelKlinischer Text
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Musterstadt Chefarzt Dr. med. A. Behrens ENTLASSUNGSBERICHT Patient: Hans-Joachim Müller Geburtsdatum: 04.05.1965 Anschrift: Eichenweg 12, 12345 Musterstadt Station: S3 (Depressionsstation) Behandlungszeitraum: 15.02.2024 – 28.03.2024 DIAGNOSEN: 1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) 2. Essenzielle Hypertonie (ICD-10: I10.90) 3. Diabetes mellitus Typ 2, nicht primär insulinabhängig (ICD-10: E11.90) 4. Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS), Erstdiagnose 2021 (ICD-10: G47.31) 5. Verdacht auf Steatosis hepatis bei erhöhtem GGT (ICD-10: K76.0) 6. Abklärungsbedürftige Erhöhung des prostataspezifischen Antigens (PSA: 6,8 ng/ml) (ICD-10: R97.2) ANAMNESE UND AUFNAHMEGRUND: Die Aufnahme des 58-jährigen Patienten erfolgte zur stationären Behandlung bei seit etwa drei Monaten progredienter depressiver Symptomatik. Herr Müller berichtete über einen fast vollständigen Interessenverlust, ausgeprägte Antriebslosigkeit, Morgentief sowie Insomnie mit Durchschlafstörungen. Er fühle sich den Anforderungen in seinem Beruf als Bilanzbuchhalter nicht mehr gewachsen. Eine ambulante Vorbehandlung mit Sertralin (zuletzt 100 mg/d) durch den niedergelassenen Psychiater erbrachte über acht Wochen keine ausreichende Remission. In der Vorgeschichte sind zwei depressive Episoden (2015, 2019) bekannt, die jeweils ambulant stabilisiert werden konnten. Eine akute Suizidalität wurde bei Aufnahme glaubhaft verneint, jedoch bestanden passive Todeswünsche. PSYCHISCHER BEFUND BEI AUFNAHME: Bewusstsein klar, orientiert zu allen Qualitäten. Im Kontakt gut schwingungsfähig, jedoch deutlich gedrückte, hypotyme Stimmungslage. Psychomotorik gehemmt, Mimik maskenhaft reduziert. Antrieb vermindert. Denken formal kohärent, jedoch eingeengt auf die berufliche Überforderungssituation und körperliche Sorgen. Inhaltlich keine Wahnideen, keine Sinnestäuschungen. Konzentration und Aufmerksamkeit subjektiv gemindert. Keine akute Eigen- oder Fremdgefährdung. KÖRPERLICHER BEFUND: 58-jähriger Patient in altersentsprechendem EZ, adipöser EZ (BMI 31,5 kg/m²). Herz/Lunge auskultatorisch unauffällig, RR 155/95 mmHg, HF 78/min. Abdomen weich, diskreter Druckschmerz im rechten Oberbauch bei V.a. Steatosis hepatis. Neurologisch grob unauffällig. DIAGNOSTIK: - Labor (16.02.): Hb 14,2 g/dl, Leuko 7,8 /nl, CRP 1,2 mg/l, HbA1c 7,4 %, GGT 85 U/l (Ref. <60), Kreatinin 0,9 mg/dl, PSA 6,8 ng/ml (Ref. <4,0). - EKG: Sinusrhythmus, HF 72/min, keine Erregungsrückbildungsstörungen, QTc 410 ms. - Abdomensonographie (22.02.): Echoreiche Leberstruktur vereinbar mit Steatosis hepatis Grad I-II, Gallenwege nicht gestaut, Nieren beidseits unauffällig. - Screening-Fragebögen: BDI-II: 34 Punkte (schwere Depression), HAMD-17: 25 Punkte. THERAPIE UND VERLAUF: Im Zentrum der Behandlung stand ein multimodales Therapiekonzept bestehend aus medikamentöser Therapie, Einzel- und Gruppenpsychotherapie (KVT-fokussiert), Ergotherapie sowie Sport- und Bewegungstherapie. Aufgrund der mangelnden Wirksamkeit der ambulanten Vorbehandlung mit Sertralin erfolgte nach einem zweitägigen Ausschleichen die Umstellung auf den SNRI Venlafaxin. Die Dosierung wurde schrittweise von 75 mg auf die Zieldosis von 150 mg/d gesteigert. Darunter zeigte sich im Verlauf der dritten Woche eine deutliche Besserung des Antriebs und eine Aufhellung der Stimmung (BDI-II bei Entlassung: 14 Punkte). Komplikationen traten am 19.02. auf, als der Patient eine hypertensive Krise (RR 195/110 mmHg) mit Kopfschmerzen entwickelte. Wir erweiterten die antihypertensive Medikation (vorher Ramipril 5 mg 1-0-0) um Amlodipin 5 mg zur Nacht und erhöhten Ramipril auf eine zweite Gabe am Abend. Hierunter stabilisierten sich die Blutdruckwerte im Zielbereich (<140/90 mmHg). Bezüglich des Diabetes mellitus Typ 2 erfolgte bei einem HbA1c von 7,4 % die Neueinstellung auf Metformin 500 mg 1-0-1, was gut vertragen wurde. Ein Nebenbefund der Routinelaboruntersuchung war ein erhöhter PSA-Wert von 6,8 ng/ml. Eine digital-rektale Untersuchung durch den konsiliarischen Urologen ergab keinen malignomverdächtigen Befund, jedoch wurde aufgrund des Wertes eine weitere Abklärung mittels MRT der Prostata und ggf. Biopsie empfohlen. Da der Patient während des Aufenthalts eine passagere psychische Instabilität bei der Mitteilung dieses Befundes zeigte, wurde die urologische Intervention auf den Zeitraum nach der Entlassung terminiert. Im Hinblick auf das bekannte OSAS klagte der Patient über eine schlechte Compliance mit seinem CPAP-Gerät. Eine orientierende nächtliche Pulsoxymetrie zeigte mehrfache Entsättigungen bis 84 %. Eine erneute Vorstellung im Schlaflabor zur Druckanpassung ist indiziert. Zusammenfassend konnte eine stabile Teilremission der depressiven Symptomatik erreicht werden. Herr Müller ist für die weitere ambulante Behandlung motiviert und verfügt über eine gute Krankheitseinsicht. MEDIKATION BEI ENTLASSUNG: - Venlafaxin retard 150 mg: 1 - 0 - 0 (p.o.) - Ramipril 5 mg: 1 - 0 - 1 (p.o.) - Amlodipin 5 mg: 0 - 0 - 1 (p.o.) - Metformin 500 mg: 1 - 0 - 1 (p.o.) - Pantoprazol 20 mg: 1 - 0 - 0 (p.o., bei Bedarf bei Metformin-Unverträglichkeit) - Lorazepam 0,5 mg: 0 - 0 - 0 - 1 (p.o., nur bei massiven Schlafstörungen, Bedarfsmedikation) EMPFEHLUNGEN / PROCEDERE: 1. Fortführung der medikamentösen Therapie mit Venlafaxin 150 mg/d für mindestens 6-9 Monate zur Rezidivprophylaxe. 2. Zeitnahe urologische Vorstellung zur Abklärung des erhöhten PSA-Wertes (6,8 ng/ml) mittels multiparametrischem MRT (mpMRT) der Prostata innerhalb der nächsten 2-3 Wochen. 3. Kontrolle des HbA1c und der Leberwerte (GGT) beim Hausarzt in 4 Wochen. 4. Terminierung einer Polygraphie/Polysomnographie im Schlaflabor zur Optimierung der CPAP-Therapie (Termin bereits für den 15.04.24 im Schlaflabor Musterstadt vereinbart). 5. Fortführung der ambulanten Psychotherapie (Kontakt zum Vorbehandler Herrn Dr. Schmidt besteht). 6. Wiedereingliederung ins Berufsleben nach dem Hamburger Modell ab der übernächsten Woche empfohlen. Der Patient wird in gebessertem Allgemeinzustand in die ambulante Weiterbehandlung entlassen. Mit freundlichen kollegialen Grüßen (Diensthabender Stationsarzt) (Oberarzt)
Ground Truth
Hauptdiagnose
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (F33.2) bei einem 58-jährigen Patienten.
Therapie
Umstellung der antidepressiven Medikation von Sertralin auf Venlafaxin (Steigerung auf 150 mg/d) sowie Neueinstellung des Diabetes mellitus mit Metformin 500 mg 1-0-1; zudem Intensivierung der antihypertensiven Therapie auf Ramipril 5 mg 1-0-1 und Amlodipin 5 mg 0-0-1 nach einer hypertensiven Entgleisung (195/110 mmHg).
Procedere
Ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung, Durchführung eines mpMRT der Prostata zur Abklärung des PSA-Wertes von 6,8 ng/ml innerhalb von 14 Tagen sowie ein bereits vereinbarter Schlaflabor-Termin am 15.04.2024 zur CPAP-Druckanpassung.
Offene Fragen
Die klinische Relevanz des erhöhten PSA-Wertes (6,8 ng/ml) bleibt bis zur bioptischen oder bildgebenden Abklärung unklar; zudem ist die häusliche Adhärenz der CPAP-Therapie bei vorbestehendem OSAS nach berichteten Schwierigkeiten noch nicht abschließend gesichert.